logo
Kärnten
Lavanttal
Internetportal für alle Lavanttaler
   
 

01

 
     
  Heilgenbluter Sternsingen  
 
voriges Bild
Copyright © Lavanttaler Online
nächstes Bild
 
 
Immaterielles Kulturerbe Heiligenbluter Sternsingen
 
 
 
 
Das Heiligenbluter Sternsingen reiht sich bald in die erlesene Gruppe von Bräuchen ein, die von der Österreichischen UNESCO-Kommission als immaterielles Kulturerbe bezeichnet werden.
Dieser einzigartige Brauch gehört nun neben anderen Volksbräuchen zum Fundus an Schätzen, die für zukünftige Generationen erhalten werden sollen.
Verbunden damit ist der Auftrag, dieses Brauchtum weiterhin zu pflegen und alles zu tun, was der Erhaltung diese Brauches dient.
 
Googlesuche: Heiligenbluter Sternsigen
 

In Heiligenblut, am Fuße des höchsten Berges Österreichs, dem Großglockner ( 3798 m ), kann man einen alten Brauch miterleben, der sich bis heute fast unverändert erhalten hat, das Heiligenbluter Sternsingen.
Lebendiges Brauchtum pflegen, gewachsene Tradition hochhalten, den Zusammenhalt unter den Bewohnern des bekannten Bergdorfes stärken, das alles liegt den Sternsingern von Heiligenblut am Herzen.
Am 5. Jänner, dem Vorabend des Dreikönigsfestes sammeln sich die Männer in Gruppen, die "Rotten" genannt werden, um den Sternträger mit dem kunstvoll gebauten, reich verzierten, beleuchtbaren Stern. Es ist Ehrensache dabei zu sein, und die Ältesten tun dies schon seit Jahrzehnten. Und wie es beim Brauchtum so ist, die Jungen lernen und übernehmen die über viele Jahrhunderte überlieferten Melodien und Texte von den Alten. 

Kurz vor 4 Uhr Nachmittag, es dämmert bereits und das enge Tal liegt schon im Schatten, strömen die Sternsingergruppen aus allen Himmelsrichtungen zusammen und versammeln sich vor dem Eingang des verschneiten Bergfriedhofes der idyllisch gelegenen Pfarrkirche von Heiligenblut.
Hände schütteln, ein glückliches, neues Jahr wünschen, Neuigkeiten über das Dorfleben austauschen, dann geht es über einige Stufen hinauf in die Kirche, wo die Sternsinger schon vom Pfarrer erwartet werden.

Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Dorfbewohner aber auch viele Gäste des bekannten Luftkurortes sind gekommen, um bei der  Segens- feier dabei zu sein. Heute ist auch der ORF mit einem Kamerateam hier, um das Geschehen rund um diesen Brauch aufzuzeichnen.
Die Rotten ziehen hinter ihrem Sternträger feierlich in die Kirche ein und stellen sich in einem Kreis um den Altar auf. Der Pfarrer begrüßt Sänger und Kirchenbesucher. Während sich die Sterne drehen, erklingt das erste Lied der Sternsinger, eine eigenartig melodische Abfolge von Gesang und Spiel der Instrumentalgruppen, die die Sänger begleiten. Der Text ist nicht immer leicht zu verstehen, da er noch in seiner ursprünglichen Sprache erhalten und weitergegeben worden ist.

Zum Schluss der Andacht erteilt der Pfarrer den Segen, dann ziehen die Sänger wieder aus der Kirche aus. Vor der Kirche verabschieden sich die einzelnen Gruppen voneinander und machen sich dann auf den Weg zu den entlegensten Bauernhöfen des Dorfes. Sie brechen auf zum langen, beschwerlichen Marsch in die sogenannte "längste Nacht von Heiligenblut". Heuer scheint ihnen das Wetter gewogen, es ist nicht sehr kalt und die Straßen und Wege sind großteils gut begehbar.
Aber auch Schneesturm und eisige Kälte könnten die winterharten Männer nicht von ihrem Vorhaben abhalten. Mit ihren Lodenmänteln, den Filzhüten, den langen Stöcken und Laternen in der Hand werden sie für Uneingeweihte zur geheimnisvollen, unheimlichen Begegnung, wenn sie murmelnd aber oft auch schweigend durch die verschneite Landschaft ziehen.
Wir dürfen heuer gemeinsam mit einigen Freunden zum ersten Mal dabei sein und sind vom ersten Augenblick an gefangen vom seltsamen Zauber dieses alten Brauches. Nach einem wärmenden Tee in der gemütlichen Gaststube neben der Kirche kehren wir zum Zirbenhof, einem alten einladenden Berggasthof in Schachnern, weit oberhalb von Heiligenblut, zurück. Die Nacht ist sternenklar und wir werfen von hier noch einen Blick auf das im Tal liegende Bergdorf, in dem die vielen Lichter der Häuser und Straßenlaternen zauberhaft funkeln. 
Bei einer deftigen Bauernjause mit hauseigenen Köstlichkeiten reden wir über das am ersten Tag erlebte und das noch zu erwartende Geschehen rund um diesen Brauch. Dann verbringen wir beim Karteln und mit anderen Spielen einen geselligen Abend in der gemütlichen Zirbenstube des urigen Gasthofes.
Es ist schon nach Mitternacht, als wir uns auf das Zimmer begeben und in das über hundert Jahre alte, mit kunstvollen Schnitzereien verzierte Bett legen.

Eine seltsame Vorfreude lässt mich unruhig schlafen. Immer wieder wache ich auf und schaue durch ein kleines Fenster auf eine verschneite Bergwiese, die im fahlen Licht des Mondes aufleuchtet. Die dunkle Silhouette des Bergwaldes durchzieht diese Fläche und hebt sich auch deutlich vom Horizont ab - eine ruhige, friedliche Winternacht in den Bergen der Glocknergruppe.
Wenn da nicht das eigenartige Gefühl wäre, das man schon als Kind kennt, wenn man ungeduldig angespannt auf etwas wartet.

Dann ist es so weit! Das Aufflackern eines gedämpften Lichtscheines, Stimmengemurmel, der Einsatz der Bläsergruppe und dann wieder diese sanften Klänge des Sternsingerliedes machen mich hellwach.
Ich wecke meine Partnerin auf und sage: "Sie sind da." Wir ziehen uns rasch an und eilen über die Stiege hinunter zum Hauseingang. Auch die Wirtin mit ihren Kindern, unsere Freunde und die anderen Hausgäste kommen bald, den Schlaf aus ihren Augen reibend, daher. 
"Måchts lei auf die Tür!" sagt Edith, die Wirtin vom Zirbenhof, die diesen Brauch ja bereits kennt.

Durch die trübe Glasscheibe der Haustür hat man schon die Form des Sterns und sein eigenartiges gelbes Licht erkannt. Aber als die Tür aufgeht, erstrahlt er fast wie eine Sonne vor dem Hintergrund der Winternacht.

Da stehen sie nun, die Sternsinger von Heilgenblut, und ich bin tief berührt von der zauberhaften Stimmung. Die Männer haben sich im Halbkreis aufgestellt. Die langen Stöcke lehnen an ihren Schultern und liegen mit dem anderen Ende vor den Laternen, die in der Mitte aufgestellt sind, am Boden auf.
Hinter der Sängergruppe stehen die Musikanten mit ihren Instrumenten. Es dauert lange, bis alle Strophen des alten Liedschatzes durchgesungen sind.

Ich muss jetzt die andächtige Stimmung stören, da ich dieses Ereignis unbedingt mit meiner Kamera festhalten will. Dabei fällt nicht nur mir auf, dass das grelle Blitzlicht einen schrillen, unpassenden Kontrast zum warmen Licht des Sternes darstellt. Die Männer lassen sich aber dadurch nicht beunruhigen und scheinen vollkommen in den Klängen dieses Rituals zu versinken.
Nach der letzten Strophe löst sich die feststehende Ordnung der Gruppe auf.

Die Sternsinger gehen auf die Bewohner und auf die Gäste des Hauses zu, um ihren gesungenen Neujahrswünschen mit herzlichen Worten und einem kräftigen Händeschütteln spürbaren Nachdruck zu verleihen. Weil man sich dabei klarerweise auch näher kommt, fällt mir auf, dass der eine oder andere bereits einige Tropfen "Frostschutz" in den Adern haben muss, was sich durch das Vorbeistreichen der aromatischen, geistreichen Atemluft bemerkbar macht. Man muss das aber auch verstehen, da es nicht möglich ist, dem gastfreundlichen Angeboten der Hausbesitzer immer einen Korb zu geben.

Einige beugen sich zu den Kindern herab und fordern sie auf, mit ihrer Hand in die Kapuzen der Lodenumhänge zu greifen. Die Kinder tun das auch sogleich, schon wissend, dass dort Süßigkeiten zu holen sind. Barbara und Peter, die Kinder der Wirtin, nützen die Gelegenheit, fassen gleich einige Male nach und stopfen die Zuckerl in ihre Säcke. Später wird die "Beute" dann in der Labn, dem Vorraum eines Bauernhauses, gerecht aufgeteilt.

Die Sternsinger müssen weiter, noch sind viele entlegene Höfe zu besuchen und kein Haus darf ausgelassen werden. Auch das ist ein festgeschriebenes Gesetz dieses alten Brauches.
Die Männer verabschieden sich und ziehen weiter zum Nachbarn, von dem sie nach dem Singen ins Haus gebeten und dort mit Speis und Trank großzügig bewirtet werden.

Als ich mich wieder zu Bett begebe, leuchtet das sanfte Sternenlicht noch in mir nach und die Melodie des Sternsingerliedes wiegt mich in einen
erholsamen Schlaf.
Ein tief bewegendes Erlebnis. Es zeigt, wie notwendig es ist, dass die Menschen in dieser extremen Gebirgsregion zusammenhalten müssen, um in diesem Lebensraum mit seinen harten Lebensbedingungen ihre Existenz zu sichern.
 
Das macht aber auch verständlich, dass man den sympathischen Menschen dieser Region alle Unterstützung zukommen lassen muss, die sie brauchen. 
Nur so kann weiterhin die Schönheit der Gebirgslandschaft erhalten und wertvolles Kulturgut bewahrt bleiben.

SZ

 
     
 
Links:
 
 
Nationalagentur UNESCO
ORF
   
   
 
     
     
     
 
Copyright © Lavanttaler Online